Theresa Schopper, Landesvorsitzende und Landtagsabgeordnete von Bündnis 90 / Die Grünen in Bayern
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Gesprächsreihe Gesundheitspoltik

Fachgespräch: Länger, besser, älter? Gesunde Arbeit im demografischen Wandel

Am 19. Oktober 2012 fand im Bayerischen Landtag ein weiteres Fachgespräch der Reihe „Gesundheitsversorgung der Zukunft“ weiter, dieses Mal zum Thema „Länger, besser, älter? Gesunde Arbeit im demografischen Wandel“ statt. Bis vor ein paar Jahren war es weit verbreitet, mit 55 Jahren in Rente zu gehen. Viele Betriebe haben bisher großzügige Vorruhestandslösungen auf Kosten der Sozialkassen (Frühausgliederung) für ihre MitarbeiterInnen ermöglicht. Heute werden die Schlagzeilen von Themen wie dem demografischen Wandel, Fachkräftemangel, der Rente mit 67 und der Tatsache, dass wir alle länger arbeiten müssen, beherrscht. Das durchschnittliche Renteneintrittsalter stieg bei Männern auf 63,8 Jahre, bei Frauen auf 63,3 Jahre. Jedoch hat sich nicht nur die Dauer, sondern auch die Arbeit selbst verändert: von den ArbeitnehmerInnen wird erwartet, immer erreichbar zu sein, so dass die Grenzen zwischen Arbeit und Ruhephasen verschwimmen. Durch diese Verdichtung der Arbeit haben mitunter auch psychische Krankheiten (Stichwort Burnout) stark zugenommen. Die MitarbeiterInnen sind in einem Betrieb jedoch das kostbarste Gut und die wichtigste Ressource. In einem Wettbewerb um Fachkräfte in Zeiten einer älter werdenden Gesellschaft ist es erforderlich, dass die MitarbeiterInnen länger im Arbeitsprozess verbleiben und der Einzelne mit den neuen Anforderungen zurechtkommt.

Theresa Schopper

Dies war der Anlass für uns, dieses Thema in unserer Fachgesprächsreihe aufzunehmen. Die betriebliche Gesundheitsförderung erscheint hier von herausragender Bedeutung. Daher habe ich mich sehr gefreut, dass wir wieder hochkarätige Referenten für unsere Fachgesprächsreihe gewinnen konnten. Frau Dr. Annette Scheder von der AOK Bayern, Werner Fürstenberg vom Fürstenberg Institut und Bertram Brossardt von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft hielten interessante Impulsvorträge, auf die ich nachfolgend kurz eingehen möchte. 

Dr. Annette Scheder (AOK) stellte diverse Studien und Statistiken über AOK-Mitglieder vor, wonach sich im Alter vor allem Muskel-und Skelett-Erkrankungen häufen. Ebenso steigt die Anzahl von psychischen Erkrankungen, aber in weit geringerem Ausmaß. Sie berichtete von der Unterstützung der betrieblichen Gesundheitsvorsorge, die besonders in Betrieben bis 500 MitarbeiterInnen in Anspruch genommen wird. Hierbei ist besonders Stressmanagement sehr gefragt. Frau Scheder betonte, dass man das Gesundheitswesen als Salutogenese verstehen müsse, dass also die Gesundheit kein Zustand, sondern ein Prozess sei – ganz im Gegensatz zum Begriff der Krankheit (und des Eingreifens erst, wenn jemand an diesem Punkt ist). Sie betonte die Bedeutung der Sensibilisierung von ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen für Prävention.

Dr. Annette Scheder (AOK)

Werner Fürstenberg vom Fürstenberg Institut, einem Dienstleister für externe MitarbeiterInnenberatung im Gesundheitsmanagement, stimmte in diesem Punkt mit Frau Scheder überein, als er treffend formulierte, dass Gesundheitssystem ein Krankheitssystem sei – es diene eher der Reparatur als der Vorsorge. Er betonte insbesondere die Rolle des Gesundheitsmanagements als Rahmensetzer und die Miteinbeziehung der Führungskräfte. Denn insbesondere Führungskräfte müssen in der Lage sein, im Umgang mit ihren MitarbeiterInnen beispielsweise psychische Belastungen zu erkennen oder bei dem Verlust von Angehörigen oder Suchtproblemen zur Seite zu stehen. Herr Fürstenberg zitierte aus einer Studie unter RWE Mitarbeitern den erwiesenen hohen Zusammenhang (Korrelation 0,6) zwischen wirksamer Führung und dem Gesundheitszustand der Mitarbeiter.   

Werner Fürstenberg (Fürstenberg Institut)

Bertram Brossardt (vbw) wiederum legte den Fokus seines Vortrages auf die Arbeit selbst: so zeigen Studien, dass ältere ArbeitnehmerInnen durchaus sehr produktiv und motiviert sind und dass diese daher auf keinen Fall in Zeiten des Fachkräftemangels vernachlässigt werden dürften. Herr Brossardt machte darauf aufmerksam, dass bisherige Programme zur betrieblichen Gesundheitsfürsorge sich nicht an die gesamte Belegschaft richteten, sondern meist nur die ArbeitnehmerInnen erreichten, die sich ohnehin für dieses Thema interessieren und engagieren.

Bertram Brossardt (vbw)

Ein gemeinsame Nenner in der darauffolgenden Diskussion mit dem Fachpublikum war schnell gefunden: das Gesundheitswesen muss sich wandeln von einer auf Krankheit fixierten Herangehensweise zu einem System der Prävention und der gesundheitlichen Erziehung beginnend im Kindesalter. Nur mit Hilfe der betrieblichen Gesundheitsfürsorge, die sich bereits heute auch ökonomisch für die Unternehmen ‚lohnt‘, kann es gelingen, dass in einer Gesellschaft des demografischen Wandels und entsprechenden Fachkräftemangels jeder zu seinem Recht auf Gesundheit und Gesundheitsversorgung kommt – und dies auch für die schrumpfende Gesellschaft bezahlbar ist. Die betriebliche Gesundheitsfürsorge muss dafür einen wesentlich höheren Stellenwert einnehmen.

Wenn Sie sich über die Arbeit der Grünen Fraktion zum Thema Gesundheit auf dem Laufenden halten möchten, finden Sie hier die nötigen Informationen weiter

Wenn Sie Interesse haben, seien Sie gerne unser Gast bei dem nächsten Fachgespräch am 08. November 2012 zum Thema „Hauptsach g'sund? Unser Gesundheitswesen zwischen Qualitätssicherung und Wirtschaftlichkeit“Details und Anmeldung finden Sie hier weiter

 

 

Fachgespräch: Gesunde Arbeit im demografischen Wandel

 
             
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