Theresa Schopper, Landesvorsitzende und Landtagsabgeordnete von Bündnis 90 / Die Grünen in Bayern
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Branchendialog: Hauptsach g'sund? Unser Gesundheitswesen zwischen Qualitätssicherung und Wirtschaftlichkeit

Am Donnerstag, den 8. November 2012 fand im Landtag in der Reihe „Branchendialoge“ eine Podiumsdiskussion mit hochkarätigen Vertretern aus dem Gesundheitswesen und Theresa Schopper, gesundheitspolitische Sprecherin, statt.

In Ihrer Eröffnung wies die Fraktionsvorsitzende und Spitzenkandidatin der Grünen, Margarete Bause, auf die Besonderheiten des Gesundheitsmarktes hin. Im Gesundheitswesen wurden 2010 bundesweit 287 Mrd. Euro ausgegeben, heute dürften es an die 300 Mrd. Euro sein. Davon werden in Bayern ca. 35 Mrd. Euro ausgegeben – ca. 20 Mrd. kommen aus Mitteln der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Anders als in anderen Märkten stammen diese Mittel aus Pflichtbeiträgen und Steuermitteln, zudem ist eine marktkonforme Preisgestaltung durch Angebot und Nachfrage in vielen Bereichen ausgeschlossen – für Wachstum in der Gesundheitswirtschaft müssten in der Konsequenz die Menschen immer kränker werden.

Das Gesundheitswesen boomt, dort sind mehr Menschen beschäftigt als in der Automobilbranche. Auf der einen Seite sind die Menschen immer länger bei guter Gesundheit, auf der anderen Seite steigt jedoch der Kostendruck bei der Versorgung. Für Theresa Schopper ist es wichtig, sorgsam mit den Ressourcen im Gesundheitswesen umzugehen und diese möglichst zielgerechtet einzusetzen. Die Über-, Unter- und Fehlversorgung im Gesundheitswesen müssen angegangen werden: Im Vergleich zu anderen Ländern ist in Deutschland die Zahl der Operationen, beispielsweise an der Hüfte und an den Knien unverhältnismäßig gestiegen. Eine Überversorgung an Geräten führt zu einer Benutzung derselben und verursacht damit Kosten. Das Spannungsfeld in der Gesundheitsversorgung beschreibt Theresa Schopper wie folgt: Im Gesundheitswesen gibt es keine Waffengleichheit der MarktteilnehmerInnen. PatientInnen können oft nicht richtig abwägen, ob die Versorgung notwendig ist und im Zweifel lassen sie doch lieber die Behandlung durchführen und ÄrztInnen bieten ein mehr an Diagnostik an.

Branchendialog

In diesem besonderen Umfeld findet wirtschaftliches Handeln unter speziellen Bedingungen statt. Für die Entwicklung neuer Medikamente gehen die Unternehmen der Pharmaindustrie erheblich in Vorleistung. Im Biotech-Cluster, dem Prof. Domdey vorsteht, wird aktuell an Neuerungen im Bereich der personalisierten Medizin gearbeitet – das Spitzencluster in Bayern bietet exzellente Netzwerkbedingungen für forschungsintensive Neuerungen. Zielsetzung ist es hier, durch Testungen schneller zu erkennen, welche Patientengruppen von welcher Medikation in besonderem Maße profitieren. Bedenken in Richtung der neuen Entwicklungen sprachen Dr. Gaßner, Präsident des Bundesversicherungsamtes und Dr. Stefan Lange, stv. Direktor des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) aus. Sie wiesen darauf hin, dass die neuen Vorgehensweisen mit erheblichen Kosten verbunden seien und ihr Nutzen für die Versichertengemeinschaft klar nachgewiesen werden müsste. Dagmar Berger von Sandoz Hexal machte sich für die bayerische Generikaindustrie stark. Theresa Schopper war der Meinung, dass weitere Forschungen sehr wohl von Nöten sind. Durch die forschungsintensive Ausgründung wird der Bayerische Mittelstand gestärkt. Immer das Wohl der PatientInnen im Mittelpunkt zu sehen muss der Leitsatz bei der Stärkung der Rahmenbedingungen für Innovationen sein, so Schopper. Dr. Mehtap Gündogdu sah weiteren Handlungsbedarf bei der Forschungsförderung, um jungen Wissenschaftlern Forschungskarrieren auch in Bayern zu ermöglichen.

Dr. Werner Bartens

Als Abschluss warf Dr. Werner Bartens (Süddeutsche Zeitung)  in gekonnt kritischer Manier noch einen Blick auf den „Wahnsinn mit Methode“ – dem Gesundheitswesen.

 

Branchendialog

 
             
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