Theresa Schopper, Landesvorsitzende und Landtagsabgeordnete von Bündnis 90 / Die Grünen in Bayern
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Grüne zu Besuch bei der Augsburger Hospiz- und Palliativversorgung e.V.
„… auch bis zuletzt leben!“ (Cicely Saunders)

Eine Sache ist sicher im Leben – dem Tod kommt niemand aus. Trotzdem ist es in der Gesellschaft immer noch ein schwieriges Thema. Gerade in der immer älter werdenden Gesellschaft, zu Zeiten des Pflegenotstands und bei den Debatten über ärztlicher Versorgung im Alter, ist es wichtig, nicht die Augen vor dem Thema zu verschließen. Wir Grüne setzen uns mit der Frage auseinander, wie ein Lebensende in Würde möglich ist und welche strukturellen Verbesserungen für Menschen mit schwerer Erkrankung am Lebensende möglich sind. Immer mehr Menschen befürchten, einsam und qualvoll zu sterben, anderen zur Last zu fallen, notwendige Therapien nicht, oder  nicht mehr hilfreiche Therapien doch noch  zu bekommen.

Ein herausragendes Modellprojekt, bei dem vernetztes Denken und Handeln im Bereich der Hospiz- und Palliativversorgung im Mittelpunkt steht,  gibt es in Augsburg: 2009 wurde dort der Verein „Augsburger Hospiz- und Palliativversorgung“ gegründet, der die Versorgung Schwerstkranker und Sterbender auf eine breite Basis stellt und die Angebote erweitert und verbessert. Insgesamt 50 Organisationen haben sich zusammengeschlossen und arbeiten sektorenübergreifend. Der Verein ist verantwortlich für die Vernetzung und Weiterbildung der Mitglieder, den Ausbau der allgemeinen palliativen Versorgung und  ist Träger der spezialisierten ambulanten palliativen Versorgung (SAPV). Außerdem trägt er das Thema Hospiz- und Palliativversorgung in die Öffentlichkeit. Das Tätigkeitsfeld des Vereins macht nicht an den Augsburger Stadtgrenzen Halt, sondern umfasst auch den Landkreis Augsburg.

Zusammen mit meiner Landtagskollegin Christl Kamm, MdL, dem Augsburger Grünen Stadtrat Dieter Ferdinand, Ursula Jung, Fraktionsvorsitzende Kreistagsfraktion Augsburg Land und Annemarie Probst aus dem Landesarbeitskreis Gesundheit und Soziales der Grünen Bayern war ich am Freitag, 12. Oktober 2012 zum Austausch bei dem Verein eingeladen. Wir haben uns sehr gefreut, dass sich so viele Verantwortliche Zeit für das Gespräch genommen haben: Neben einem der Geschäftsführer der Augsburger Palliativversorgung gem. GmbH, Michael Strauß, waren auch Renate Flach, Leiterin Hospizgrupppe Albatros Augsburg, Andreas Claus, Geschäftsführer Caritas Augsburg Land und des Hospizvereins, Prälat Josef Heigl, der Vorsitzende des St. Vinzenz-Hospiz Augsburg, Eckhard Rasehorn, Geschäftsführer AWO, Christine Deschler, Sprecherin der privaten ambulanten Palliativpflegedienste, Dr. Josef Fischer, Palliativmediziner der SAPV  und Ralf Otte, Geschäftsführer Bunter Kreis-Nachsorge vor Ort.

Augsburger Hospiz- und Palliativversorgung e.V.

Für mich war es sehr interessant Erfahrungsberichte aus der Praxis zu hören – das ist für mich immer ein wichtiger Teil meiner politischen Arbeit: Nicht nur in den Fachgremien zu sitzen, sondern den Austausch mit den Menschen, die im wirklichen Leben stehen, zu suchen. Wir Grüne wollten also wissen, wo es hakt und wo die Politik noch nachbessern muss. Schnell kamen wir in der hochkarätig besetzten Runde auf das Wesentliche zu sprechen:

Die Überleitung von einem Fachbereich in den anderen klappt oft noch nicht so reibungslos. Meist fehlt es an konkreten Ansprechpersonen beispielsweise in den Kliniken, an die sich die Palliativfachkräfte wenden können. Wichtig dabei ist auch immer zu bedenken, dass jede Palliativpatientin und jeder Palliativpatient eine andere Überleitung braucht. Am Fallmanagement muss also noch gearbeitet werden.
Auch auf die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) kamen wir zu sprechen. SAPV hat das Ziel, die  Lebensqualität und die Selbstbestimmung von Palliativpatienten so weit wie möglich zu erhalten, zu fördern und zu verbessern und ihnen ein menschenwürdiges Leben bis zum Tod zuhause in ihrer gewohnten Umgebung oder  in stationären Pflegeeinrichtungen bzw. stationären Hospizen zu ermöglichen. Nur 10 Prozent der Sterbenden werden durch SAPV betreut, der weit größere Teil von der allgemeinen ambulanter Palliativversorgung. Auch dort werden Personal und Ressourcen gebraucht – die SAPV kann die Versorgung nicht alleine stemmen.
Das Thema Belastung und Überlastung der Angehörigen wurde im Gespräch nicht ausgespart: Palliatversorgung ist immer auch psychosoziale Arbeit – und dabei steht nicht nur der/die PatientIn im Mittelpunkt, sondern auch die Betreuung der Angehörigen gehört dazu. Dass das natürlich auch für die Pflegenden belastend ist, ist selbstverständlich. Der Verein kümmert sich aber sehr gut, z.B. in Form der Weiterbildung der Pflegenden. Sehr beeindruckt war ich auch von den vielen Ehrenamtlichen, die Sitzwachen bei PalliativpatientInnen übernehmen. Auch dort steigt der Bedarf immer mehr, besonders für Nachtsitzwachen – auf Dauer wird das ohne Bezahlung nicht mehr durchführbar sein.

Ich war sehr beeindruckt über die große Fachkompetenz und das vorausschauende Denken in dem Verein. Viele in der Politik verschließen noch die Augen vor dem Pflegenotstand – während andere, wie der Verein, die Dramatik schon lange erkannt haben. Wir Grüne kämpfen auf der selben Seite: An der Fachkräftequote wird mit uns nicht gerüttelt und der Personalschlüssel muss angehoben werden. Ein gesellschaftlicher Diskurs über die Aufwertung des wichtigen Berufstand der Pflegekräfte muss geführt werden – denn das Thema Palliativversorgung wird in den kommenden Jahren an Bedeutung immer weiter zunehmen. Es bedarf gemeinsamer Anstrengungen, auf politischer Ebene und in den Organisationen vor Ort, damit schwerkranke und sterbende  Menschen individuell, nach ihren Vorstellungen und Wünschen auch wirklich „bis zuletzt leben können“.

 

 

 

 

 

 

 
             
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