Theresa Schopper, Landesvorsitzende und Landtagsabgeordnete von Bündnis 90 / Die Grünen in Bayern
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Grüner, gerechter, gesünder: Spielräume der EU-Agrarreform für das Allgäu nutzen!

Auf Einladung der Grünen wurden am Donnerstag, den 22. August, im Pfrontner Pfarrheim St. Nikolaus die möglichen Folgen der seit Juni 2013 überwiegend fest- und nun in Deutschland zur Umsetzung freistehenden EU-Agrarreform für das Allgäu diskutiert.

Pfrontens zweiter Bürgermeister Philipp Trenkle (Pfrontner Liste) wies zu Beginn auf den historisch verankert hohen Stellenwert von Landwirtschaft und Landschaftsschutz in Pfronten hin. Deren Erhalt sollte weiter vorangetrieben werden.
Unter der Moderation des stellvertretenden Landrats Hubert Endhardt (Grüne) informierten Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament, Barbara Lochbihler, Europaabgeordnete Bündnis 90/Die Grünen, und Theresa Schopper, stellvertretende Vorsitzende im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und Landesvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen über die momentane agrarpolitische Lage und deren Herausforderungen.

Barbara Lochbihler ist die momentan einzige Europaabgeordnete aus dem Allgäu und setzt sich als solche für die Interessen der Region in Brüssel ein. Als Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses berichtete sie auch über die oft schwierige Situation von Landwirten außerhalb der Europäischen Union. Im Zusammenhang mit ihrer Arbeit ist sie zudem mit einem zunehmenden Nahrungsmittelmangel und einer gestiegene Anzahl an Hungernden in der Welt konfrontiert.

Der langjährige Landwirt und agrarpolitische Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament, Martin Häusling, stellte ebenfalls fest, dass knapper werdende Ressourcen die globale Notwendigkeit eines Umdenkens im Produktions- und Konsumverhalten dringend notwendig machen. Man müsse in der Landwirtschaft die generelle Systemfrage stellen. Eine Landwirtschaft, an der nur der Handel sowie die Futter- und Lebensmittelindustrie verdienten und die nebenbei ökologische und soziale Ressourcen zerstöre, sei keine Landwirtschaft der Zukunft. Was wir brauchten sei eine Landwirtschaft in der Geld verdient werde, mit qualitativ hochwertigen Rohstoffen und öffentlichen Leistungen für die Gesellschaft, wie Boden-, Wasser-, und Landschaftsschutz. Hier sei ein Umdenken bei allen Beteiligten von Nöten.

Im Zusammenhang mit den Rahmenbedingungen der im Juni in Brüssel verabschiedeten EU-Agrarreform und den Möglichkeiten der Umsetzung in Deutschland ergeben sich laut Häusling maßgebliche Herausforderungen für das Ostallgäu. Als einer von 17 deutschen Landkreisen, die ihre Subventionen hauptsächlich über die sogenannte Zweite Säule beziehen, wird das Ostallgäu von den besonders starken Kürzungen dieser Mittel betroffen sein. Auf bundesdeutscher Ebene müsse in Zukunft von der Möglichkeit Gebrauch gemacht werden, 15 % aus dem Topf der Direktzahlungen (erste Säule) in den Topf für die ländliche Entwicklung (zweite Säule) zu verschieben, um die dadurch entstandenen Defizite auszugleichen.

Als besonders problematisch für die Landwirtschaft und Verbraucher in Europa sieht Häusling das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA. Dieses werde hinter verschlossenen Türen verhandelt, ohne dass das Europäische Parlament oder zivilgesellschaftliche Organisationen darauf Einfluss nehmen können. Die Folgen für die europäische Landwirtschaft und Verbraucher könnten bei einer Öffnung gravierend ausfallen. Gentechnisch veränderte Produkte, Chlorhühnchen und geklontes Fleisch, momentan in der EU verboten, könnten somit nach Europa gelangen. Auch Stimmen aus dem Publikum verrieten dahingehende Sorgen vor Ort und ein Gefühl der Machtlosigkeit gegenüber solchen Entwicklungen.

Theresa Schopper sieht ebenfalls Bedarf nach einem generellen Umdenken hinsichtlich der Wertschätzung landwirtschaftlicher Erzeugnisse: „Qualität hat ihren Preis“. Verbraucherinnen und Verbraucher müssten sich bewusst werden, dass ökologische und tierfreundliche Produkte nicht zum „Preis von Aldi“ angeboten werden können. Eine weitere Herausforderung sieht sie in der Renten- und Krankenkassensituation von Landwirtinnen und Landwirten.

Grüner, gerechter, gesünder: Spielräume der EU-Agrarreform für das Allgäu nutzen!

Lebhaft diskutiert wurde im Anschluss in der von Dr. Otto Randel (Pfrontner Liste) moderierten Fragerunde. Vieles wird durch EU-Fördergelder erst ermöglicht und erhalten, gleichzeitig steigt die Abhängigkeit der Landwirtschaft von solchen Geldern. Das momentan bestehende Subventionssystem, das nicht zwischen Hofgrößen unterscheidet, wurde kritisiert.Die PolitkerInnen schlossen sich hier den Kritikpunkten an. Eine von den Grünen geforderte Obergrenze für Direktzahlungen, die dieser ungleichen Verteilung Einhalt geboten hätte, war im Europäischen Parlament um zwei Stimmen unterlegen.

 

Grüner, gerechter, gesünder: Spielräume der EU-Agrarreform für das Allgäu nutzen!

 
             
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